Wohnungsbau: Lernen von den Holländern
Fachprogramm für Münsteraner Wohnungspolitiker und Verwaltung in Enschede

Durch Vermittlung des Politischen Forums Mehr Mut zur Tat und in Kooperation mit der IHK Westfalen-Nord konnten sich Münsteraner Wohnungspolitiker aller größeren Parteien und Mitarbeiter der Stadtverwaltung mit Architekten und Stadtentwicklern in Enschede austauschen. 

 

Die Stadt Enschede betreibt in großen Stil Stadtentwicklung. Von Anfang an werden Investoren und die Kommunalpolitik eingebunden. Erst wenn die Konzepte fertig sind, wird daraus ein Bebauungsplan. Durch die Einbeziehung der relevanten Stakeholder gibt es weniger Einsprüche als in Deutschland. Die gesetzlichen Regelungen erlauben mehr Spielräume für Abweichungen im Einzelfall. Wenn Investoren erklären, Projekte aus Kostengründen nicht realisieren zu können, können ihnen Erleichterungen gewährt werden, wenn sie ihre Bücher offenlegen und die Kostenprobleme glaubwürdig machen.

 

Privatleute können entlang ganzer Straßenzüge Häuser bauen, für die nur die Baulinie zur Straße und die Gebäudehöhe vorgegeben sind. Ansonsten können sie die ganze Breite ihres Grundstücks in freier Architektur bebauen. Ergebnis sind deutlich vielfältigere Straßenzüge als bei Reihenhäusern in Deutschland.

 

Sozialer Wohnungsbau ist Aufgabe von Wohnungsbaugenossenschaften ("Sozial-Vereine"), die sich um die Wirtschaftlichkeit kümmern müssen. Würde das zu ungewünscht einfacher Bauweise führen, sind staatliche Subventionen für höhere Bauqualität möglich.

 

Die Weiternutzung ehemaliger Industriegebäude ist möglich, auch wenn das in Deutschland eine Nutzungsänderung wäre, die die Beachtung der aktuellen Baustandards nach sich zieht und Weiternutzungen oft unwirtschaftlich macht. Die Nutzung einer ehemaligen Molkerei-Halle durch Restaurant, Einzelhandel und Büros "wäre in Deutschland nicht genehmigungs­fähig", so die spontane Reaktion der Fachleute aus Münster. In Enschede entstand aber statt eines zunächst geplanten Abrisses eine gelungene Weiternutzung der alten Struktur. Angesichts der geringeren Umbaukosten nimmt man z.B. die fehlende Dämmung nach heutigen Standards in Kauf.

 

Der die Fahrt mitorganisierende Architekt Maas aus Münster wies angesichts dieser Beispiele darauf hin, dass mit dem Gebäudetyp "E" auch in Deutschland flexiblere Bauweisen im Neubau möglich wären. Für Veränderungen im Bestand (z.B. Dachausbauten oder Aufstockungen) könnten Bebauungspläne aufgehoben und nach § 34 Baugesetzbuch ("fügt sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung … in die nähere Umgebung ein") genehmigt werden. Auch das Bauland­mobilisierungsgesetz ermögliche Abweichungen von früheren Bebauungsplänen. So wäre auch in Münster trotz insgesamt rigiderer deutscher Bauvorschriften eine Wohnungsbauoffensive möglich.

Hier können Sie die Zusammenfassung als PDF-Dokument herunterladen.